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Der junge Mann im blauen Anzug

„Ich spreche das aus, was ich mir denke“, sagt der junge Mann mit den gekräuselten Lippen und dem engen blauen Anzug. „Dass wir jeden aufnehmen, der zu uns kommen möchte, wird einfach nicht funktionieren“, sagt der junge Mann. Die Eigenheime gehören uns, und die geilen Mobile, die automatisierten, die Automatischen, die Halbautomatischen, damit wir uns verteidigen können, damit wir unsere Eigenheime nicht verlieren und un-sere geilen Autos die jetzt mit 140 dürfen, die dürfen jetzt ganz schnell, die geilen Halbautomatischen, die schießen nicht, die fahren, die fahren von Eigenheim zu Eigenheim, die schießen von Dachgeschoss zu Skiress-ort. Was wollen die alle? Warum schwimmen die zu uns herüber? Das sind Millionen, Milliarden, die wollen alle zu uns, die sprengen unser Land, die wollen unsere Autos, die wollen unsere Eigenheime. Die wollen unser Geld und unser Leben. Die werden immer mehr, hallo, ich seh’ euch nicht mehr, alles ist schwarz um mich herum, ich seh’ vor lauter Fremden meiner Villa nicht mehr. Ich spreche das aus, was ich mir denke, und ich denke mir, dass sie kommen. Sie kommen, sie kommen alle, eine Milliarde, zwei Milliarden, vier Milliarden. Ich rechne. Ich habe Angst. Vier Milliarden. Und alle wollen hier herein. Macht doch endlich die Türen zu. Macht doch endlich die Türen dich, und die Fenster, und die Straßen, und die Gärten, und die Schulen, und die Spitäler, und die Ämter, und die Firmen, und die Häfen. Da, sie stürmen, sie stürmen und uns. Sie dringen ein, sie dringen in uns ein, sie dringen vor, sie dringen ein und drängen, sie drängen und drängeln und liegen schon aufeinander, sie liegen neben und über und auf einander, diese Massen, dies fremden Massen, die Massenfremden, vier Milliar-den und dann noch die anderen. Die Schwarzen und die anderen, die auch schwarz sind, zumindest dunkel, nicht so hell wie wir, nicht so rein, nicht so sauber, nicht so – nicht so wie wir. „Die Realität ist: Die Masse der Flüchtlinge sind junge Männer, von der Hautfarbe schwarz. Da gibt es vor Ort viel mehr Widerstand.“ Da braucht es Widerstand. Wir sind der Widerstand. Wir widerstehen. Wir stehen und widerstehen. Wir schauen ihnen nicht in die Augen. Nur nicht in diese schwarzen Augen schauen, nur in die blauen Augen schauen, schaut doch endlich nur in meine blauen Augen. „Blue eyes“. Blau, blau, blau, ist meine Lieblingsfarbe, oder vielleicht türkis ... „Diese Menschen werden unser Land nicht mehr verlassen werden.“ Die kommen, die schwimmen her, die laufen her, die schleppen sich her, die werden her gekarrt, die werden her getragen, die werden her gerollt, die rollen her, die überrollen uns hier, die rollen über uns her und bleiben liegen. Die bleiben einfach hier liegen und gehen nicht mehr weg. DIE GEHEN EINFACH NICHT MEHR WEG! Dieser Dreck, dieser Schmutz, dieser schwarze Schlamm, der sich über uns ergießt, der ergießt sich über uns, milliardenfach, der reibt sich in uns ein, der reibt sich an uns und dringt in uns ein, der dringt in unser Land, in unsere Schulen, in unsere Wohnungen, in unsere Straßen, der dringt in unsere Wälder und Felder und Wiesen, der dringt und drängt, dieser Dreck dringt in mich ein, dieser Dreck von außen, der Dreck kommt immer von außen, der Dreck muss draußen bleiben, wir haben doch Schallschutzfenster, wir haben doch Dreifachverglasung, wir haben doch 60 Prozent Sonnenschutz, damit wir weiß bleiben, damit wir rein bleiben. Sommer, Sonne und Meer. Wir lieben euch. Wir lieben das Meer, wir liegen am Meer. Egal, was da komme. Wir bleiben liegen. Wir sind eingecremt. Wir sind bleiben rein, wir bleiben hell. Wir bleiben liegen. Wir lieben diesen heißen, geilen Sommer am Meer, egal, was da komme, egal, wer da komme. Ihr werdet es nicht sein, ihr werdet nicht kommen. Wir kommen, wir kommen zu euch, wir kommen an den Strand, wir kommen an den Meeres-strand, wie kommen ans Meer und da kommen wir, da kommen wir millionenfach, da kommen wir, damit auch wir mehr werden. Wir werden mehr. Wir werden immer mehr. Zuerst kommen wir, dann werden wir mehr. Wir werden mehr, damit ihr nicht mehr kommen könnt. Ihr kommt nicht hierher, nicht über das Meer und nicht über uns. Ihr werdet nicht in Stapeln vor uns liegen, nicht über uns, nicht in uns. Wir kommen übereinander, wir blei-ben unter uns. Wir kommen so oft, bis wir genug sind, um keinen mehr reinzulassen. Wir halten einander bei den Händen und halten dicht. Wir machen dicht. Wir machen unsere Türen zu und die schließen die Dämme. Kommt, Kinder, die ihr gekommen seid, weil wir gekommen sind, kommt, Kinder, die wir euch brauchen! „Wenn Eltern nicht mitmachen, dann dürfen wir nicht wegsehen.“ Wir müssen die Kinder an der Hand nehmen und über sie kommen, wir kommen, ihr Kinder, ihr Kinderlein, kommet, ihr Buben und Mädchen, lieber Buben, die starken, die kommen auch mehr, die kommen öfter, die brauchen wir, die kommenden Buben, die mir ge-kommen sind, ich bin der Bub der Buben, ich bin der kommende Mann, ich bin da und ich sage, was ich mir denke. „Wir müssen Grenzen aufzeigen, wenn etwas mit unseren Gesetzen und Grundwerten nicht im Einklang ist“, wir müssen wieder in Einklang kommen, wir müssen wieder im Gleichklang singen, wir müssen wieder eine Stimme werden.